Ak Recht: Statistiken

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"In höheren Semestern ist der Anteil der Studierenden aus den beiden unteren Herkunftsgruppen [Soziale Herkunftsgruppen: niedrig, mittel, gehoben, hoch. ND] größer als in den unteren Semestern. Es ist davon auszugehen, dass Studierende der beiden unteren Herkunftsgruppen tendenziell länger an den Hochschulen verbleiben als Studierende der beiden oberen Herkunftsgruppen."

"Ein Grund für die längere Verweilzeit ist u.a. in der vergleichsweise hohen Erwerbstätigkeit, insbesondere zur Sicherung des Lebensunterhaltes, zu sehen. [...] Außerdem ist festzustellen, dass weit mehr Studierende der unteren als der oberen Herkunftsgruppe ihr Studium zwischenzeitlich unterbrochen hatten (61% vs. 43%). Als häufigsten Grund nannten die Unterbrecher finanzielle Probleme (51% vs. 19%)".

Für Hessen gilt, dass der Anteil der Studierenden aus der sozialen Herkunftsgruppe niedrig 12% beträgt. Studierende mit Eltern mit einem Nettoeinkommen bis 4.000 DM (2,045 EUR) stellen 33% der Studierendenschaft.

Da Studien- und Verwaltungsgebühren zu steigendem Finanzbedarf führen und Studierende niedriger sozialer Herkunft durch ihre längere Studienzeit am stärksten von diesen betroffen sind, ist deren Studienfinanzierung wichtig. Diese wird zu 40% durch eigene Verdienste bestritten. Eltern und BAföG machen jeweils ein Viertel aus. Studierende, die von den Studiengebühren betroffen sind, werden also in höheren Semestern Gebühren und BAföG-Ausfall am ehesten durch zusätzliche Erwerbstätigkeit finanzieren.

Erwerbstätigkeit beeinflusst aber wieder die Studiendauer. Eine Analyse des Deutschen Studentenwerkes zeigt, dass jede Stunde Erwervstätigkeit etwa eine halbe Stunde weniger studiert wird. "Etwa ab einem wöchentlichen Erwerbsaufwand von acht Stunden wird die Gesamtbelastung durch Studium und Erwerbstätigkeit überdurchschnittlich hoch."

Von Studierenden niedriger sozialer Herkunft sind 69% Erwerbstätig (hoch: 62%). Davon arbeiten 34% (20%) laufend. Der Anteil der Erwerbstätigen steigt von 48% (42%) im ersten Semester bis zum 12. Semester auf 85% (78%) an.

Quelle: Schnitzer/Isserstedt/Middendorff: Die wirtschaftliche und soziale Lage der Studierenden in der Bundesrepublik Deutschland 2000 - 16. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks. Bonn, 2001. S. 10, 113, 116, 150, 260f., 294.

Fazit

Studiengebühren treffen Studierende niedriger sozialer Herkunft besonders stark, da diese erstens durch Erwerbstätigkeit länger studieren und zweitens durch Studiengebühren zu vermehrter Erwerbstätigkeit und damit zu einer weiteren Verlängerung ihres Studiums gezwungen werden. Die finanzielle Belastung verteilt sich also nicht nur sozial ungerecht, auch das Einstiegsalter dieser Absolventen wird erhöht. Zudem werden Anreize für sozial Schwächere gesetzt, aus finanziellen Erwägungen eben kein Studium aufzunehmen.

Rechtlich gesehen könnte dies einen Verstoß gegen Art. 12 I GG in Verbindung mit Art. 3 I GG bedeuten. Sprich: Der Staat verstößt gegen das Sozialstaatsgebot, da er systematisch bestimmte soziale Gruppen von der Nutzung des staatlichen Bildungsangebotes abhält. Diese Diskriminierung ist allerdings ein Mißbrauch des Bildungsmonopols und damit - verboten.

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Letzte Änderung: 2003-12-13
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